Story

Ein Foto ist der Ausgangspunkt fr diese Filmidee, ein Foto, das drei Männer in einem Berliner Gerichtssaal abbildet: Otto Schily, Hans-Christian Ströbele und Horst Mahler, Anfang der 70er Jahre. Damals sind alle drei Anwälte der linken außerparlamentarischen Opposition. In der abgebildeten Situation sitzt Mahler auf der Anklagebank und Schily und Ströbele sind seine Verteidiger. Den Staat BRD sehen sie als Unterdrcker politischer Freiheit und als Vasallen der USA.

Die drei Anwälte wollen eine andere Republik. Uneins sind sie sich ber den Weg dorthin. Mahler hat einen Molotow-Cocktail geworfen und versucht, der RAF Waffen zu besorgen, die beiden anderen fechten mit Worten.

Was diese drei Männer damals verbindet, ist der Kampf fr ihre Vorstellungen von einer »linken Gerechtigkeit« und dass sie das Risiko eingehen, sich öffentlich mit Menschen zu solidarisieren, die als Staatsfeinde gelten. Ein Dreigestirn, das spektakuläre politische Prozesse fhrt: Sie legen sich mit Axel Springer an, mit Polizeipräsidenten, hohen Richtern und verbringen manches Wochenende miteinander.

Heute ist der eine SPD-Bundesinnenminister a.D., der andere ist das linke Gewissen der Grnen im Bundestag und der dritte einer der Anfhrer der rechten Szene. Sie decken das politische Spektrum der Bundesrepublik ab: Ströbele ist der unbeirrbare Linke, Schily der Brgerliche in der konservativen Mitte, Mahler der Rechtsextreme.

Heute, 38 Jahre später, wäre es nicht mehr möglich, das Trio fr ein gemeinsames Foto zu gewinnen. Schily und Ströbele gehen sich aus dem Weg, Mahlers Nähe meiden sie beide.

Der Film verfolgt die Biografien von drei Männern, die einer Generation angehören und die sich in derselben bundesdeutschen Wirklichkeit entwickelt haben. Regisseurin Birgit Schulz untersucht, was diese Männer geprägt hat, was sie in Bezug auf ihre politischen Ideale verbunden hat, und an welchen Punkten sie drei unterschiedliche Wege eingeschlagen haben, um am Ende Gegner zu werden. Dabei verbeln alle drei dem jeweils anderen den Weg aus der gemeinsamen Geschichte.

Der Film erzählt zunächst von großen Lebensträumen, dann von Entfremdungen, Verletzungen und aufgekndigten Beziehungen und zu guter letzt von neuen Träumen.

Während der Dreharbeiten wurden die drei mehrere Tage lang interviewt. Im Verlauf der Gespräche kommt es dabei zu vielen intimen und berhrenden Aussagen, die diese deutsche Geschichte in die Tiefe fhren.

Fast erscheint, was in den einzelnen Biografien auf den ersten Blick widersprchlich aussieht, im Verlauf der Geschichte logisch. Denn in sich und getrennt voneinander haben alle drei Lebensläufe eine gewisse Konsequenz – zumindest behauptet jeder der drei, sich treu geblieben zu sein...

 

Prädikat: besonders wertvoll

Die FBW Filmbewertungsstelle Wiesbaden hat das Prädikat: besonders wertvoll an DIE ANWÄLTE - EINE DEUTSCHE GESCHICHTE vergeben: „ Horst Mahler, Otto Schily und Hans-Christian Ströbele: drei Köpfe der 68er, umstrittene Persönlichkeiten und politische Wegbegleiter durch bewegte Kapitel der deutschen Geschichte, von der RAF bis zur aktuellen Terrorismus-Debatte. Die informative und ebenso mutige Dokumentation stellt historisches Bildmaterial den aktuellen Interviews gegenüber und zeichnet so auch deren höchst unterschiedliche Werdegänge nach. Durch einen persönlich gefärbten Zugang zu den politischen Abläufen wird dem Zuschauer viel Raum für eigene Schlussfolgerungen gelassen. So entsteht ein brisanter Film, der durchaus eine Herausforderung darstellt und Material für heiße Diskussionen liefert. Endlich wieder ein extrem spannender, politischer Dokumentarfilm mit viel Zündstoff!“

Poster
 Ab 19.11.2009 im Kino ... 
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